Bundesbank: Deutsche hängen am Sparbuch

tagesgeldzinsen.com - 31. Januar 2013

Bundesbank: Deutsche hängen am SparbuchDeutsche Sparer verzichten jedes Jahr auf Zinserträge im Gesamtwert von mehreren Milliarden Euro. Wie eine aktuelle Statistik der Bundesbank belegt, bunkern die Deutschen 1461 Mrd. Euro zu einem durchschnittlichen Zinssatz von lediglich 0,83 Prozent. Wird nur die Verzinsung täglich fälliger Einlagen berücksichtigt, ergibt sich ein noch schwächeres Bild.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen – Fakten der Bundesbank

  • Bundesbank Monatsbericht Januar: Deutsche horten 1461 Mrd. Euro bei Banken

  • Durchschnittlicher Zinssatz: 0,83%

  • 836 Mrd. Euro (57%) in Tagesgeld/Sichteinlagen zu durchschnittlich 0,59%

  • Konsequenz: Negative Realzinsen sind die Regel

Von den 1461 Mrd. Euro waren laut Bundesbank zuletzt 836 Mrd. Euro in Tagesgeld bzw. Sichteinlagen (jederzeit verfügbar) angelegt. Der durchschnittliche Zinssatz lag hier mit 0,59 Prozent noch niedriger. Die Bundesbürger nehmen die schleichende Entwertung ihres Geldes damit billigend in Kauf. Bei einer amtlichen Inflationsrate von 2,00% führt die derzeit gängige Verzinsung zu einer realen Geldentwertung.

3,42 Mrd. Euro entgangener Gewinn durch Wechselfaulheit

icon_ZinsgutschriftDer Monatsbericht der Bundesbank macht auch deutlich, dass auf eine höhere Verzinsung freiwillig verzichtet wird. Auch wenn Sonderangebote und Banken mit ausländischer Einlagensicherung nicht berücksichtigt werden, lassen sich Sichteinlagen auch im gegenwärtigen Marktumfeld und bei größeren Anlagesummen zu 1,00 Prozent Zinsen unterbringen. Die Differenz zum tatsächlich erzielten Zinsertrag würde sich auf 3,42 Mrd. Euro belaufen.

Die 10 beliebtesten Geldanlagen der Deutschen

In einer weiteren Studie der comdirect Bank aus dem Jahr 2016 ergaben sich interessante Schlussfolgerungen und Statistiken. So fand die Bank heraus, welche Geldanlagen bei den Deutschen am beliebtesten sind – und gab Hinweise darauf, wie das Kapital renditestärker angelegt werden kann:

  1. Das Girokonto wird von 57 Prozent der Befragten zur aktiven Geldanlage verwendet. Das ist insofern wenig sinnvoll, als dass es für das Girokonto keinerlei Zinsen gibt. Selbst in Phasen hoher Leitzinsen ist es kaum möglich, mehr Zinsen als die Inflation zu erwirtschaften.
  2. Das Sparbuch landet auf Platz 2 und wird von 52 Prozent der Deutschen genutzt. Auch hier gilt: Als Geldanlage ist das Sparbuch nicht mehr zeitgemäß. Die Zinsen sind deutlich geringer als beim Tagesgeld, Vorteile gegenüber diesem gibt es keine. Es eignet sich ausschließlich dazu, Kindern den Umgang mit Geld beizubringen. Denn auch die Kleinen dürfen schon Sparbücher führen.
  3. Mit 39 Prozent ist das Tagesgeld schon etwas abgeschlagen auf Platz 3. Es eignet sich vor allem dazu, eine eiserne Reserve von 2 bis 3 Nettogehältern zu verwahren. Denn Tagesgeld ist – wie der Name unschwer vermuten lässt – täglich verfügbar. Bei einer wichtigen Reparatur kann also direkt auf das Geld zurückgegriffen werden.
  4. Die Lebensversicherung ist mit 34 Prozent auf Platz 4. En Neuabschluss ist momentan nicht rentabel, dazu ist das Zinsniveau zu gering. Glück hat, wer die Lebensversicherung schon vor mehr als 10 Jahren abgeschlossen hat. Von den damals garantierten Zinssätzen können heutige Sparer nur träumen. Aktuell ist es daher sinnvoller, eine Risikolebensversicherung abzuschließen, die ausschließlich gegen den Todesfall absichert. Sie baut aber kein – aktuell schlecht verzinstes – Kapital auf.
  5. Immerhin 32 Prozent der Befragten haben einen Riester-Vertrag. Das ist deutlich weniger, als es sich der Staat erhofft, aber immer noch ein beachtlicher Wert. Der Neuabschluss eignet sich aber auch hier wieder nur bedingt. Zu kompliziert ist die Beantragung und zu gering die steuerlichen Ersparnisse. Meist profitieren nur Viel-Verdiener von Riester.
  6. Auch der Bausparvertrag ist ein beliebtes Sparobjekt der Deutschen. Auch hier gilt wieder: Wer seinen Vertrag vor mehr als 10 Jahren abgeschlossen hat, freut sich heute über einen Top-Verzinsung und gleichzeitig günstige Darlehenskonditionen. Neuabschlüsse lohnen sich aufgrund der hohen Abschlusskosten und der äußerst geringen Rendite aber aktuell nicht.
  7. Erschrecken ist vor allem, dass Bargeld von etwas mehr als einem Viertel der Sparer als Anlageobjekt verwendet wird. Dazu eignen sich die unverzinsten Scheine und Münzen aber in keinem Fall. Es dient lediglich dazu, ein gewisses Maß an Liquidität zu sichern.
  8. Nur ein Fünftel der Sparer setzt auf Festgeld. Durch das Niedrig-Zinsumfeld ist die Tendenz zudem sinken. Festgeld kann aber noch immer als stabile Basis für das eigene Depot dienen, zumal die Renditen sicher sind.
  9. Erst auf Platz 9 findet sich mit Investmentfonds das erste, an der Börse gehandelte Finanzprodukte. Nur 18 Prozent der Deutschen investieren ihr Geld allerdings in Fonds. Auf der einen Seite werden hier viele, attraktive Renditechancen ausgelassen. Auf der anderen Seite sind Fonds aber auch teuer, vor allem die Abschlussgebühren schlagen stark zu Buche.
  10. Lediglich 14 Prozent der Befragten investieren ihr Geld in einzelne Aktien. Im Ländervergleich sind die Wertpapiere damit in Deutschland stark unterrepräsentiert. Das hat vor allem zur Folge, dass attraktive Renditen liegen gelassen werden. Ein Blick auf die Entwicklung des MSCI World Index zeigt beispielsweise, dass die Performance auf lange Sicht positiv ist.

Fazit: Die Deutschen sparen gerne sicher und renditearm

In Bezug auf das Sparen sind die Deutschen noch immer äußerst konservativ. Die meisten Anleger setzen auf klassische Produkte wie Sparbücher oder Tagesgeld. Gegen diese Anlagen an sich ist in der Regel nicht viel einzuwenden, wohl aber gegen das Volumen. Aktien und Fonds sind stark unterrepräsentiert, wodurch jährlich Milliarden Euro an Rendite verloren gehen.