Geldpolitik: Lässt EZB-Draghi Leitzinssenkung durchblicken?

Redaktion - 5. März 2013

Geldpolitik - LeitzinssenkungSinkt der Leitzins noch weiter? An diesem Donnerstag könnte EZB-Präsident Mario Draghi bereits eine weitere Leitzinssenkung durchblicken lassen, meinen nicht wenige Beobachter. Dafür sprechen die wachsende Unsicherheit am Anleihemarkt nach der Italien-Wahl und die rückläufigen Inflationsraten.

Die Inflationsrate war – vor allem aufgrund der erlahmenden Konjunktur – zuletzt wieder unter die Marke von 2,00 Prozent und damit in den Zielbereich der EZB gefallen. Vor diesem Hintergrund könnte Mario Draghi eine weitere Lockerung rechtfertigen. Ob eine neuerliche Zinssenkung – die, so sie eintreten sollte, im Umfang auf 25 Basispunkte geschätzt wird – positive Auswirkungen auf die Realwirtschaft entfalten würde, ist allerdings umstritten. Der Leitzins ist bereits so niedrig, dass eine weitere Absenkung möglicherweise keinen messbaren Effekt mehr hätte.

Zinsen für Tagesgeld sinken auch ohne Draghi

icon_ZinsenWie sich ein weiterer Negativrekord beim Leitzins auf das Zinsniveau im Einlagengeschäft auswirken könnte, ist ebenfalls ungewiss: Seit Monaten sinken die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld auch ohne neue „Impulse“ von der EZB oder vom Bondmarkt. Ursächlich dafür könnten Nachwirkungen des Liquiditätsprogrammes „dicke Bertha“ sein. Darüber hatte die EZB Geschäftsbanken im Dezember 2011 sowie im Februar 2012 insgesamt mehr als 1000 Mrd. Euro liquide Mittel mit drei Jahren Laufzeit zur Verfügung gestellt. Die üppigen Liquiditätsbestände machen die Refinanzierung über das Einlagengeschäft aus Sicht der Institute unattraktiv.

Ganz egal was Draghi am Donnerstag andeutet: Anleger müssen sich noch auf eine längere Niedrigzinsphase einstellen und bis auf Weiteres Schadensbegrenzung als oberstes Anlageziel akzeptieren. Mit den besten Tagesgeldkonten am Markt ist zumindest vor Steuern noch ein weitgehender Ausgleich der Inflation möglich.